← Zurück
Veröffentlicht am 16. Januar 2021

Technologische Arbeitslosigkeit: Ein Gedankenspiel

Wie zunehmende Automatisierung Konkurrenz in verbleibenden Jobs schafft

Was wäre, wenn wir alles automatisieren könnten, außer Kochen?

Ich bin in einigen Diskussionen auf das Argument gestoßen, dass eine vollständige Automatisierung menschlicher Arbeitskraft weder realistisch, noch erstrebenswert sei. Pflegeberufe oder grundsätzlich solche, in denen menschliche Interaktion, Kreativität und Empathie wichtig sind, könnten und sollten nicht durch intelligente Maschinen ersetzt werden. Deswegen müsse es auch immer menschliche Arbeit geben.

Ich teile diese Auffassung, bin aber auf zwei interessante Gedanken gestoßen, die nahelegen, dass wichtige Aspekte dabei berücksichtigt werden müssen.

Zu dem ersten gehören zwei Gedankenexperimente, die McAfee und Brynjolfsson ebenfalls in ihrem Buch "The Second Machine Age" darstellen. Das erste davon ist die ursprüngliche Version des Androidenexperiments.

Gäbe es Roboter, die alles könnten, was Menschen auch könnten (inklusive neuer Roboter zu bauen), hätte das mehrere Effekte: Produktivität würde unfassbar steigen, jeder Unternehmer würde seine Angestellten durch sie ersetzen und ihre Besitzer würden allen Wert der Gesellschaft schöpfen und wäre die einzigen Konsumenten.

Eine Variation dieses Gedankenspiels ist, dass diese Roboter alles können außer einer einzigen Sache, beispielsweise dem Kochen. Die ökonomischen Effekte blieben unverändert, bis auf die Tatsache, dass es weiterhin Köch*Innen geben würde. Die Vergütungen würden durch die Menge an zur Verfügung stehender Arbeitskraft für diese Tätigkeit stark sinken.

Der zweite Aspekt ist, dass auch Fähigkeiten wie Kreativität, Empathie, soziale Interaktion oder auch Humor letztlich erlernbare kognitive Fähigkeiten sind, vor denen Automatisierung nicht zwangsläufig halt macht. Max Tegmark leitet in Life 3.0 sehr verständlich her, warum alles Erlernbare grundsätzlich auch durch maschinelles Lernen erlernt werden kann.

Das zeigt mehrere Dinge: Erstens, dass es kein eisernes Gesetz gibt, das alle Menschen unter allen Umständen vor technologischer Arbeitslosigkeit schützt und laufend neue Erwerbsarbeit erzeugt wird. Zweitens, selbst wenn der Zeitraum bis zu diesem Punkt extrem lang ist, bleiben die bisher nicht automatisierbaren Tätigkeiten davon nicht unberührt. Und drittens, je näher wir uns in Richtung dieses Punkts bewegen, desto notwendiger werden staatliche Umverteilungen. Dass wir ihm uns kontinuierlich nähern, zeigen meiner Meinung nach unter anderem die bereits heute sichtbare Stagnation von Arbeitseinkommen und im Gegensatz dazu steigende Kapitaleinkünfte.

← Zurück
geschrieben von Timothy

Kon-
takt

Du möchtest Kontakt halten?
Nice!

Oder... du kannst mir auf LinkedIn oder Twitter folgen. Cheers!